Ich bin ein Baum. Ideen entwickeln mit Assoziationsmethoden.

Von Heike Rehm

Transition Prozesse in der IT sollen sich wie Rollbänder am Flughafen anfühlen. Kreditprozesse lernen von Zahnärzten und digitale Vertriebshandbücher werden von Shazam inspiriert. Klingt verrückt? Nein, das sind Workshopergebnisse, die zeigen, wie sehr Assoziationsmethoden die Synapsen tanzen lassen!

 

In diesem Artikel erfahren Sie anhand von zwei Beispielen mehr über den Einsatz von Assoziationsmethoden und weshalb wir in unserem Methodenbaukasten auf gar keinen Fall darauf verzichten können.

Unterschied & Macher | Blick in den Wald

Der Flow ist das Ziel.

Ich habe vor ein paar Jahren einen Improvisationstheater-Kurs besucht. Was ich dabei über Kommunikation und Kreativarbeit im Team gelernt habe, prägt mich heute immer noch.

Für diesen Beitrag möchte ich das Arbeiten mit Assoziationstechniken in den Fokus setzen. Denn diese bilden für unser Gehirn eine großartige Brücke, um bei der Ideenentwicklung aus festgetretenen Lösungspfaden auszubrechen und Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu lösen.

Zurück zum Improtheater.

 

Gemeinsam Assoziationsketten bilden und dabei in einen Flow zu kommen (d.h. nicht nachzudenken, sondern das Gehirn intuitiv arbeiten zu lassen) ist das täglich Brot der Spieler. Ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung sagen: Das ist ganz schön schwierig. Ganz besonders, wenn man im sonstigen Leben versucht, erst zu denken und dann zu reden.

Ich bin ein Baum – Warmup mit Assoziationstechniken

Ein tolles Warmup, das ich dort gelernt habe, ist „Ich bin ein Baum“. Es ist besonders gut für Gruppen geeignet, die sich schon ein wenig kennen und für Gruppengrößen ab circa fünf Personen geeignet.

So funktioniert das Warmup:

 

Die Gruppe steht im Kreis.

Eine Person tritt in die Mitte und macht den Anfang....

  • A: "Ich bin ein Baum."  
    Die Person trifft sowohl die Aussage, macht aber auch eine entsprechende Bewegung dazu, bspw. wird die ausladende Baumkrone durch Bewegungen nachgestellt.
  • Dann tritt die nächste Person dazu in den Kreis, die eine Assoziation dazu habt, beispielsweise
  • B: "Und ich bin ein Borkenkäfer und mache Dich alle."
    Das wird selbstverständlich auch bildhaft dargestellt 😉
  • Eine weitere Person kommt hinzu.
  • C: "Und ich bin ein Umweltaktivist und ich kette mich an Dir fest."

Danach entscheidet Protagonist A (der Baum), wenn er mitnimmt (bspw. C, den Umweltaktivisten) und beide verlassen die Kreismitte.
In unserem Beispiel bleibt B, der Borkenkäfer zurück. Mit ihm wird die Assoziation dann fortgesetzt.

  • B: "Ich bin ein Borkenkäfer."
  • D: "Ich bin ein Vogel und futtere total gerne Borkenkäfer."
  • E: "Ich bin…."

Man bewegt sich also spielerisch sukzessive vom Ausgangspunkt weg. Was Sie dabei schnell feststellen ist, dass von Runde zu Runde die Assoziationen bunter werden.

Kreditprozesse inspiriert vom Zahnarzt optimieren – Assoziationen in der Produktentwicklung oder Prozessoptimierung

Unterschied & Macher | Assoziationstechnik in Kreativworkshops

Wenn wir mit unseren Kunden digitale Lösungen entwickeln oder Prozesse optimieren, dann beschäftigen wir uns erst einmal mit dem Problemraum. Haben wir ein Problem identifiziert und gehen in die Ideenentwicklung über, ist wieder der Auftritt der Assoziationstechniken.

 

Dabei gehen wir in der Regel in vier Schritten vor:

  1. Problem definieren und How might we-Fragestellungen entwickeln
  2. Alltagssituationen mit ähnlichem Problemraum identifizieren
  3. Problemlösung der Alltagssituation verstehen
  4. Problemlösung auf unseren Problemraum beziehen

Wie das im Detail funktioniert spielen wir im weiteren Verlauf mal anhand eines Beispiels durch.

Schritt 1: Problemdefinition. Freue Dich über ein identifiziertes Problem und formuliere es als eine How-might-we Fragestellung

Bei der Optimierung eines Prozesses im Bereich „Kredite“ haben wir mit dem Fachbereich eines Kunden bspw. identifiziert, dass dieser Fachbereich erst sehr spät in den Prozess eingebunden wird und sind nach weiteren Arbeitsschritten zu der Fragestellung gelangt:

 

„Wie können wir Wertschätzung bei den anderen Prozessbeteiligten erzeugen, um früher im Prozess eingebunden zu werden“

Schritt 2: Assoziieren. Identifiziere Alltagssituationen, die mit einem ähnlichen Problemraum kämpfen.

Wir bleiben bei unserem Beispiel und suchen nach Assoziationen. Wer hat noch mit dem Problemraum zu kämpfen?
Zum Beispiel die Folgenden: 

  • Zahnärzte: Werden im Prozess auch oftmals erst dann eingebunden, wenn es weh tut.
  • Müllabfuhr: Man braucht sie, aber hat oftmals keine Wertschätzung für ihre Arbeit.
  • Hausaufgaben: Gehören in der Schule eben dazu und müssen gemacht werden, aber nerven. 

Schritt 3: Analogien. Wie haben die identifizierten Alltagssituationen das Problem gelöst?

Man orientiert sich weiter an den Assoziationen, die man in Schritt 2 identifiziert hat und schaut, wie dort das Problem gelöst wurde. Für uns bedeutet das also: 

 

Zahnärzte:

  • Haben ein ganz neues Image als Wellness-Oasen für Zähne aufgebaut und dadurch eine andere Wahrnehmung geschaffen.
  • Versenden beispielsweise Erinnerungs-Postkarten, um an die eigenen Dienstleistungen zu erinnern und gehen proaktiv auf die Patienten zu

Müllabfuhr:

  • Haben das „Defizit“ mit einem Schmunzeln aufgegriffen und sind bspw. über eine Kampagne zu den „Helden des Alltags“ geworden.
  • Bei Streik merkt man bspw. sehr deutlich, dass dieser wichtige Prozessschritt der Müllabfuhr fehlt.

Hausaufgaben:

  • Wenn man für gut gemachte Hausaufgaben gelobt wird, schafft das eine positive Incentivierung.

Schritt 4: Transfer. Rückübersetzung auf unseren konkreten Problemraum.

Schauen wir nochmals auf unsere Fragestellung: „Wie können wir Wertschätzung bei den anderen Prozessbeteiligten erzeugen, um früher im Prozess eingebunden zu werden?“. Wir übersetzen nun die Assoziationen aus Schritt 2 und 3 zurück auf den Problemraum und finden dadurch relevante Lösungen. Das Ergebnis? 

 

"Der Fachbereich als „Wellness-Oase“ für den Gesamtprozess."

  • Beispielsweise dadurch, dass man den anderen Prozessbeteiligten durch passgenaue Checklisten präventive Mittel anbietet. Dadurch wird unser Fachbereich direkt zu Prozessbeginn involviert und mit einem positiven Gefühl (-> Unterstützung) wahrgenommen.
  • Vorteil für unseren Fachbereich: Deutlich effizienteres Arbeiten durch frühzeitige Weichenstellung.

Eine Checkliste als WOW-Beispiel – echt jetzt?

Unterschied & Macher | Assoziationstechnik zur Lösungsfindung

Ich habe bewusst ein Beispiel gewählt, das mit einer vermeintlich einfachen Lösung endet. Aber die Checkliste ist auch nicht das zentrale Ergebnis. Sondern viel wichtiger: Durch die Assoziationsmethode haben wir in der Gruppe ein Gefühl entwickelt, wie sich die Lösung für den Nutzer anfühlen soll, um ein positives Gefühl zu vermitteln.

 

Und das ist die Grundlage, um Hypothesen zu validieren, erste Prototypen zu bauen oder Roadmaps für MVPs zu entwickeln. 

Denn ein zentraler Erfolgsfaktor ist „das richtige Gefühl“!

 

Bei diesem Beispiel kann mittels eines einfachen Word-Dokument als erster Prototyp validiert werden, ob wir ein relevantes Problem lösen und ein positives Gefühl erzeugen. Wenn ja, ist der Weg für große Lösungen wie den Aufbau einer künstlichen Intelligenz bereitet. Wenn man sie dann überhaupt noch braucht.

Fazit: unsere drei Gründe, warum Assoziationstechniken im Ideenworkshop nicht fehlen dürfen.

Anhand der beiden Beispiele (Assoziationstechniken im Warm-up und in der Lösungsentwicklung) habe ich Ihnen zwei unterschiedliche Anwendungsfälle vorgestellt, für die man das Vorgehen einsetzen kann. 

 

Hier noch einmal in Kürze.
Deshalb sollten Sie unbedingt einmal Assoziationstechniken in Ihren nächsten Ideenworkshop einfließen lassen:

  1. Das Team bekommt einen greifbaren Eindruck, welches Gefühl die Lösung vermitteln soll und hat somit eine essenzielle Grundlage für die nächsten Lösungsiterationen geschaffen.
  2. Durch Assoziationstechniken verlassen wir eingefahrene Denkpfade.
  3. Durch entsprechende Warmups, lernen wir Denkbarrieren abzubauen und in den kreativen Flow zu kommen.

 

Haben Sie  auch schon mit Assoziationstechniken gearbeitet und wie sind Ihre Erfahrungen?

Ich freue mich auf Ihr Feedback!


Mehr erfahren? Oder direkt gemeinsam mit uns loslegen? Dann einfach mal Kontakt aufnehmen!

HEIKE REHM, PARTNER

Sie möchten Prozesse digitalisieren oder innovative digitale Lösungen entwickeln? Dann lassen Sie uns unbedingt über Ihren Bedarf sprechen. Ich freue mich!

+49 171 5688 103



Sie wollen digitale Lösungen entwickeln? Perfekt!

Wir unterstützen Sie bei allen Aspekten der digitalen Lösungsentwicklung. Erfahren Sie mehr über unser Portfolio und lassen Sie uns losfliegen!

Einfach mal machen. Zum Beispiel einen Design Thinking Workshop

Wir bieten verschiedene Einstiegsformate an, die Ihnen ganz konkrete Ergebnisse für Ihre Lösungsentwicklung bieten. Und ganz nebenbei können Sie uns im Arbeitsmodus kennenlernen. Egal ob Design Thinking oder ein kleiner Hackathon gemeinsam mit UuM. Einfach mal machen.