Barrierefreiheit im Web: A11y und die Mysterien der Website-Zugänglichkeit

Was sich anhört wie der Titel einer schlechten Star-Wars-Parodie, ist für viele Menschen blanke Realität. Denn während sich die Generation Z nahezu blind im „Netz“ zurechtfindet, ist es für tatsächlich blinde Menschen oft ein Trip in ferne Welten. Denn nicht selten wird und wurde die Barrierefreiheit (Accessibility) für Menschen mit Beeinträchtigungen, abgekürzt A11y, bei der Erstellung von Webseiten und Anwendungen nicht mitgedacht.

 

Für alle zugängliche Webseiten sind heute ein Muss. ©Daniel Ali, Unsplash.com

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Von situativen bis permanenten Beeinträchtigungen

„Accessibility ist doch nur ein Thema für Blinde oder Gehörlose“? Weit gefehlt! Denn wir alle sind hin und wieder auf verschiedene Art und Weise eingeschränkt.


Um nur einige Einschränkungen für die Benutzung einer Webseite oder App zu nennen:

 

  • Motorische Einschränkungen: Es muss nicht gleich eine fehlende Gliedmaße sein – es reicht häufig schon ein Zittern (Tremor) oder man hat einfach die Hände voll – Stichwort Coffee to go.
  • Auditiv: oft denkt man dabei direkt an Gehörlose. Hierzu zählen aber auch Sprachbarrieren bei einem Auslandsaufenthalt oder laute Umgebungsgeräusche, z.B. auf einem Konzert.
  • Visuell: neben Erblindung geht es aber auch um Einschränkungen wie Sehschwäche, von Licht/Sonne geblendet oder ein eingeschränktes Blickfeld.
  • Kognitiv: Hier wird es noch bunter. Der Fächer reicht von Lernschwäche über Multitasking (sich auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren) bis zum Einfluss von Medikamenten oder Alkohol.

Denken Sie sich für einen Moment tiefer in Ihre Zielgruppe. Sind Ihre Kunden oft draußen unterwegs? Schieben sie gelegentlich einen Kinderwagen oder müssen sich in der S-Bahn festhalten? Sollte die Anwendung nicht auch dann funktionieren, wenn die Person am Ende eines Arbeitstages sehr müde ist?


Anhand der Beispiele wird schnell deutlich: Accessibility ist ein breites Feld und gerade deshalb ein Thema für alle. Wir können und müssen es daher aus der Schublade „Nischenthema für Minderheiten“ herausholen.

Dieser Umstand hat auch das Europäische Parlament beschäftigt und es hat mit dem „European Accesibilty Act“ und entsprechenden Direktiven für die Gestaltung von Webseiten und Software entsprechende Regularien auf den Weg gebracht.


Der European Accessibility Act – damit das Internet für alle zugänglich ist

Ab dem Jahr 2025 müssen bis auf wenige Ausnahmen alle Websites nach A11Y- Gesichtspunkten optimiert sein. Das besagt der “European Accessibility Act”, der auf europäischer Ebene ausgearbeitet wurde und derzeit in nationales Recht umgesetzt wird.


Ziel des Vorhabens: Barrieren für beeinträchtigte Personengruppen reduzieren und ihnen ein gleichwertiges Nutzererlebnis ermöglichen. Das bedeutet, dass jede Webseite auch für beeinträchtigte Nutzergruppen zugänglich sein muss.

Ein paar Ausnahmen gibt es aktuell. Lediglich Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einer Jahresbilanz von maximal 2 Millionen Euro sind von dieser Richtlinie ausgeschlossen. Aber seien wir ehrlich: wäre es nicht eine Frage der Fairness auch eingeschränkten Nutzergruppen ein tolles Nutzungserlebnis zu bieten?

Beeinträchtigungen erfordern andere Mittel und Wege - © Sigmund, Unsplash.com

Nutzertest mal anders: Barrierefreiheit mit einfachen Experimenten selbst erfahren

Sie wissen gar nicht so genau, wie es um Ihre Seite steht? Dann testen Sie es doch einfach mal mit diesen einfachen Experimenten. Denn um ein Verständnis und ein Gefühl für die Probleme beeinträchtigter Menschen zu bekommen, hilft es immer sich in ihre Situation zu versetzen.

 

Diese drei kurzweiligen Experimente helfen Ihnen dabei:

  1. Motorische Barrieren erkennen: Kleben Sie sich mehrere Finger mit Klebeband zusammen und versuchen Sie Ihr Smartphone zu bedienen.
  2. Auditive Barrieren: Verwenden Sie ein Video Call Tool, welches Speech-to-Text unterstützt (z.B. Google Meet) und schalten Sie Ihren Lautsprecher ab. Tauschen Sie nun mit Kolleg*innen ein Rezept aus, nur mit Hilfe der Untertitel.
  3. Visuelle Barrieren: Lassen Sie einen Screen-Reader über Ihre/eine Webseite laufen (z.B. der Open Source Reader NVDA). Sie werden erstaunt sein, wie schwierig es für einen blinden Menschen ist, sich auf dieser Webseite zurecht zu finden.

Wie ist Ihre Wahrnehmung nach diesen Experimenten? Was ist Ihnen aufgefallen?

Empathie ebnet den Weg für bessere Webauftritte

Durch solche Experimente gewinnt man eine gehörige Portion Empathie. Wie funktioniert die Interaktion mit anderen Menschen, wenn einem der Hörsinn fehlt? Wie lassen sich Bedienelemente ansteuern, wenn man motorisch eingeschränkt ist? Wir lernen, dass Software in vielen Fällen einfach nicht zugänglich, also nicht accessible ist. Solange das so bleibt, wird A11Y in Software Projekten gerne vergessen oder schlicht und einfach kein Budget dafür eingeplant.

 

Aber ab 2025 wird sich das für alle ändern.

 

Warum die Zeit bis dahin nicht schon sinnvoll nutzen? Machen Sie daher doch schon jetzt ein Website-Audit. Falls bei Ihnen sowieso ein Relaunch ansteht, dann planen Sie die Accessability gleich mit.



Jetzt Accessibility-Audit Ihrer Webseite durchführen

Wenn Sie noch Fragen zum Thema Barrierefreiheit im Web haben oder mit dem Gedanken spielen ein Accessibility-Audit durchzuführen, sprechen Sie uns gerne an.

Unterschied & Macher | Vorname Nachname

Florian Kraft, Senior Software-Developer

+49 (0)160 - 3860703



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