Braucht jetzt jeder eine Blockchain?

Von Volker Benders & Benedikt Eger

Zu Beginn dieses Artikels ist die Frage erlaubt "warum schreibt UuM über Blockchain"? Nun – wir beschäftigen uns ja generell mit spannenden, aktuellen Themen und wir haben uns die Frage gestellt, was an diesem Thema, über das schon seit einiger Zeit alle reden, nun genau dran ist. Daher sind ein paar von uns bei einer gemütlichen Tasse Kaffee in die faszinierende Welt Blockchain eingetaucht und möchten hier erklären, was man mit Blockchain-Technologie tun kann, was man ohne nicht tun konnte.

Warum ist Blockchain etwas Besonderes ?

Vereinfacht gesagt ist eine Blockchain eine Datenbank. Das ganz besondere daran ist, dass die Gültigkeit der Daten, die dort gespeichert werden nicht dadurch gewährleistet wird, dass ich halt einfach dem vertraue, der diese Datenbank besitzt. Stattdessen ist eine einzelne Datenbank über viele unabhängige Personen oder Firmen verteilt und das Vertrauen entsteht dadurch, dass ein einzelner die Daten nicht manipulieren kann ohne dass alle anderen das merken.

 

Verglichen wird das im Fall von Transaktionen oft mit einem Kassenbuch (englisch "Ledger"), das alle am Netzwerk beteiligten gleich und parallel führen. Alle Einträge werden in alle Ledger geschrieben, so dass im Normalfall alle Beteiligten stets eine identische Kopie haben. Eine neue Transaktion kann nur dann eingetragen werden, wenn die Mehrheit der Teilnehmer sie für gültig befindet. Damit kann niemand  einfach eine alte Transaktion manipulieren, da die anderen Beteiligten ja dann eine andere Information hätten und die manipulierte Transaktion leicht erkennen könnten. Bei nur einer Kopie wäre dies nicht der Fall.

Das heißt: Vergangene Einträge sind für alle lesbar und gleichzeitig unveränderlich.

 

Zusammengefasst heißt das: Mit Blockchain lässt sich das Vertrauen erzeugen, wo es keine zentrale Instanz wie beispielsweise eine Bank gibt, die per se schon das Vertrauen ihrer Kunden hat.

 

Hier sind verschiedene Technologien sehr clever kombiniert worden – unter anderem Kryptographie und Peer-To-Peer-Netzwerke. Die Details dazu sind aber im ersten Moment bei der Frage wozu das denn nun zu gebrauchen ist gar nicht so wichtig.

Wozu kann man das denn gebrauchen ?

Vorneweg ein wichtiger Hinweis für die Einschätzung von Blockchain Lösungen:
Natürlich kann man mit einer Blockchain, die im Wesentlichen ja eine Datenbank ist, viele Anwendungen realisieren, die eine Datenbank benötigen. Das macht sie jedoch nicht zu revolutionären Ideen, die vorher nicht möglich gewesen wären. Man fragt sich bei vielen Anwendungsfällen eher, warum jetzt ausgerechnet hier Blockchain? Und in der Regel beginnt dann der zweite Gedanke mit dem Wort „Marketing“. Dazu gehört nach allem was man weiß auch die gerade angekündigte „Facebook-Währung“ Libra, die ja trotz Blockchain gehöriges Vertrauen in Facebook und die restlichen Mitglieder des Konsortiums voraussetzt.

 

Welche digitalen Produkte waren denn jetzt aber ohne Blockchain wirklich nicht möglich und sind daher tatsächlich neu?

Der bekannteste Anwendungsfall für Blockchain-Technologie ist natürlich Bitcoin – also die Verwendung als eine Art Währung. Hier kommt der Aspekt des verteilten Vertrauens besonders deutlich zum Tragen: Ich benötige keine Bank als Mittelsmann mehr, wenn ich jemandem Geld überweisen möchte.

Banken und FinTech-Unternehmen setzen sich daher besonders intensiv mit dem Thema auseinander:

Ein wesentlicher Aspekt ihres Geschäftsmodells (Zahlungsverkehr) wird durch die Existenz von Cryptowährungen in Frage gestellt. Aber es gibt gerade für Banken auch große Chancen in der Nutzung. Zwar nicht in der Abwicklung zwischen Kunde und Bank, aber in der "Vertrauenserzeugung" zwischen miteinander konkurrierenden Geldinstituten.

 

Abgesehen von Cryptowährungen ist eine Blockchain besonders da sehr nützlich, wo bewiesen werden soll, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas bestimmtes stattgefunden hat. Damit lässt sich bei digitalen Produkten sehr leicht die Urheberschaft zweifelsfrei dokumentieren:

Ich kann z. B. von einem meiner Fotos mit einer Hash-Funktion einen digitalen Fingerabdruck erzeugen und diesen in einer Blockchain speichern. Damit kann ich dann nachträglich beweisen, dass ich zu genau diesem Zeitpunkt im Besitz genau dieses Fotos war. Überlegungen dazu gab es beispielsweise bei Kodak oder dem Open-Source-Projekt COALA IP.

 

Ein weiteres, extrem spannendes Beispiel ist das digitale Wählen (statt Wahlkabine oder Briefwahl). Der große Vorteil läge hier darin, nicht einer zentralen Instanz (dem Staat) vertrauen zu müssen, sondern die Blockchain über viele voneinander unabhängige Organisationen (z. B. Parteien, NGOs oder auch Privatpersonen und Firmen) zu verteilen. Damit könnte eine Manipulation der Wahlergebnisse nahezu ausgeschlossen werden, weil die am Netzwerk beteiligten Akteure konkurrierende Interessen haben und so zur Wahrung der Integrität der Ergebnisse quasi aus Eigeninteresse gezwungen werden. Erste Versuche dazu gibt es bereits in Korea, Japan und den USA.

Und was heißt das jetzt für mich ?!

Die wichtigste Frage ist wie immer: Welches Problem möchte ich eigentlich lösen?

Sollte das Problem einige der o. g. Eigenschaften wie Transaktions-Charakter, Notwendigkeit von Manipulationsfreiheit und das Fehlen einer zentralen Vertrauensinstanz aufweisen, kann es sein, dass eine Blockchain Teil der Lösung ist. Eine Hilfestellung auf diesem Weg gibt das Diagramm "Should I Use A Blockchain?". Bezeichnenderweise lautet in den allermeisten Fällen die Antwort schlicht "Nein".