Rückblick auf das 20. Usability Testessen Frankfurt und Checkliste für das perfekte Usability-Testing-Setup

„Wenn du ein Problem hast, mach ne Party draus!“ Unter diesem Motto fand Anfang Mai das 20. Usability Testessen in Frankfurt statt. Dabei haben wir nicht nur Usability-Insights zu einem Clickdummy bekommen, sondern auch unsere Packliste für Usability Testing aktualisiert.

Ein Rückblick zum Event inklusive Checkliste für die perfekte Vorbereitung fürs Usability-Testing gibt’s in diesem Blogbeitrag.

Warum Usability Testing?

Egal wie gut man ausgebildet ist und wie viel Mühe man sich gibt: wer digitale Produkte gestaltet, muss raus aus dem eigenen Schneckenhaus und braucht Feedback von echten Nutzern.

Ist die Navigation auf meiner Website wirklich verständlich? Sind die Bilder ansprechend? Finden die Leute den „kaufen“-Button? In Nutzeroberflächen passiert es immer wieder, dass Nutzer verwirrt werden oder frustriert sind, weil sie ihr eigentliches Ziel nicht erfüllen können - obwohl die Funktion dafür vorhanden ist! Also gilt „Test early, test often“, um diese Fehler in der Nutzbarkeit direkt zu entdecken und zu beheben. 

 

Die gute Nachricht: der Großteil der Usability-Probleme kann in nur 5 bis 6 Nutzerinterviews aufgedeckt werden. Diese Daumenregel sollte man nicht uneingeschränkt anwenden. Sie dient aber als gute Richtlinie und wir orientieren uns daran beispielsweise, wenn wir auf der Straße Nutzer befragen oder wenn wir Google Design Sprints durchführen.

Usability-Testessen in Frankfurt: Unterschied & Macher testet zusammen mit dem Team des VR Smart Guide einen Prototypen

Beim Usability-Testessen werden sechs Runden à 12 Minuten durchgeführt. Eine sportliche Aufgabe für alle Beteiligten! Aber dazu weiter unten mehr. 

 

Testobjekt war in unserem Fall ein Clickdummy für ein Feature des VR Smart Guide, einer Buchhaltungssoftware für kleine Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler, bei der wir vor allem im Bereich Design und User Experience unterstützen.

 

Beim Usability-Testessen konnten wir in sechs Runden entscheidende Insights bekommen, was wir in der Oberfläche noch verbessern müssen, bevor das Feature in die technische Entwicklung geht. Diese Tests sparen letztendlich also Nerven und Geld für das Gesamtteam - wenn das mal kein gutes Ziel ist! 

„What can go wrong, will go wrong.“ Unsere Checkliste für ein reibungsloses Usability-Testessen

Wir haben nicht nur über das Produkt etwas gelernt - sondern auch über die perfekte Vorbereitung fürs Testing! Kurz gesagt: Wer ein Usability-Testing durchführen möchte, sollte Murphy’s Law kennen - und alles tun, damit es nicht eintritt. 

Unsere Methodische Vorbereitung: hier zählt Sorgfalt

Die Vorbereitung umfasst im Wesentlichen zwei Bestandteile: den Prototypen und den dazugehörigen Leitfaden. 

 

Für den Prototypen haben wir einen Clickdummy genutzt anstatt in einer Live-Version der Software zu testen, da dieser als Vorstufe zur eigentlichen Entwicklung wesentlich schneller und günstiger erstellt ist. Wer Sketch und Invision oder ähnliche Tools nicht beherrscht, kann z.B. Wireframes in PowerPoint erstellen oder einfach auf Papier die Oberfläche skizzieren um erste Erkenntnisse zu bekommen.  

 

Für den gesamten Test muss man im Hinterkopf haben, dass die 12 Minuten, die man beim Usability-Testessen pro Slot hat, wirklich wenig Zeit sind. Daher müssen die Aufgaben, die die Nutzer im Test erledigen, präzise und verständlich formuliert sein. Damit die Ergebnisse vergleichbar werden, sind die Aufgaben im Leitfaden festgehalten und werden vom Interviewer immer auf die gleiche Weise gestellt. Dazu ist es super, die Aufgaben und Fragen im Vorfeld mit im Team zu testen – am besten mit jemanden, der nicht an der Entwicklung beteiligt ist, um internes Wording zu vermeiden. 

Unser Setup: sorge für eine angenehme Atmosphäre und verlasse dich nie auf nur eine Sache

Usability-Testing bei Unterschied & Macher
Der Test vorab fürs gelungene Usability-Testing. Fühlt sich der Nutzer wohl? Funktioniert die Technik?

Für die Auswertung und um authentisch das Nutzerverhalten mit den Teammitgliedern teilen zu können, die nicht mit im Raum waren, setzen wir in einem solchen Szenario auf mehrere Kameras.

 

Das heißt über ein Screencapture wird der Bildschirm aufgezeichnet, über das iPhone die Stimme, über eine dritte Kamera die Gesamtsituation, sodass man die Gestik und Mimik einfangen kann. 

 

Als dritte Kamera haben wir in diesem Fall eine GoPro verwendet - die aber leider nicht den ganzen Abend durchgehalten hat und deshalb spontan durch eine Kollegin mit Smartphone-Kamera in der Hand ersetzt wurde. 

 

Auf die Packliste gehören deshalb: 

  • Laptop mit Programm zur Bildschirmaufnahme
    (Für die MacUser: Mit Quicktime kann gleichzeitig den Bildschirm aufzeichnen und mit der Frontkamera den Tester filmen)
  • Stative, um mit Smartphones die Situation zu filmen
  • Alle Ladekabel für jedes Gerät, das man dabei hat
    (auch, wenn der Akku 100% geladen ist)
  • Verlängerungskabel für die Ladekabel 

 

Wichtig ist in diesem Setup übrigens auch, dass der Nutzer sich wohl fühlt - obwohl mehrere Kameras auf ihn gerichtet sind.

 

Dafür empfiehlt es sich, diese Teststation einfach mal vorab aufzubauen und sich selbst in die Situation hinein zu versetzen. Je lockerer sich alles anfühlt, desto besser. So kann sich der Nutzer auf den Test fokussieren. Auch sollte der Weg zum Testplatz frei sein, damit kein Hürdenlauf den ersten Eindruck behindert.

Unsere Nachbereitung: Als Filmregisseur geht's leichter

Am Ende des Abends hatten wir nicht nur viel gelernt und viele Notizen, sondern auch viele große Dateien. Neben den Bildschirmvideos gab es Audiodateien und Videos der Gesamtsituation.

 

Um schneller zu sortieren hilft es also, am Anfang jeder Datei eine Art „Szenenklappe“ einzubauen. Bei den Videos kann man z.B. einfach einen Zettel davorhalten, auf dem Nutzer und Nummer steht und kommt so am Ende schneller durch, wenn man sortiert. 

Unser Fazit zum Usability-Testessen: ja! Aber nur mit der richtigen Vorbereitung

Das Usability-Testessen ist ein großartiges Format, in dem man schnell Feedback sammeln kann und hat sich völlig zurecht ein Standing in der lokalen Digitalszene erarbeitet. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man Usability-Testing aber definitiv nicht. 

 

Um daran teilzunehmen braucht man ein Thema, dass keine ganz spezielle Nutzergruppe benötigt, Usability also im Vordergrund steht und nicht die Insights zu genau einer Zielgruppe. 

Außerdem ist das Testessen ein Format für Spontane. Man hat maximal 14 Tage Vorbereitungszeit, in der man neben den oben genannten Themen auch ein Team aus mindestens vier Personen (2 Interviewer, 2 Protokollanten / Betreuer für Technik) zusammenstellen und briefen muss. Denn nichts ist ärgerlicher, als den Abend zu investieren und am Ende ohne Erkenntnisse abziehen zu müssen, weil der Test gar nicht richtig im Setting funktioniert.  

 

Mit der richtigen Vorbereitung ist es aber definitiv empfehlenswert, am Usability-Testessen teilzunehmen und wir freuen uns schon auf die nächste Gelegenheit, echten Nutzern echte Produktkonzepte zu präsentieren.

 

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal für den großartigen Abend bei Mynd in Frankfurt bedanken. Danke an Alle, die an unserem Test teilgenommen haben. Danke für gute Gespräche mit allen Teilnehmern und natürlich danke für die Pizza :-) 


Fragen zu Guter User Experience? immer gerne!

Mona Bien, SEnior User Experience Consultant

Neue Produkte und Services haben das Potenzial Nutzer zu unterstützen, zu begeistern und sogar Wohlbefinden zu erzeugen. Ich setze Nutzer, Ziele und Anforderungen in den Mittelpunkt, um im Team gemeinsam das Projekt zum Fliegen zu bringen.