Unser Rückblick zu Agile Lean Ireland 2019. Oder: Selbstorganisierte Weiterbildung à la UuM

Von Lara Ludwig und Anna Scheffold

Unterschied & Macher | Die Agile Lean Ireland 2019

Wie sorgt man im Agenturalltag zwischen Kundenprojekten, Pitches, Circles und Kicker-Matches dafür, dass man sich stetig weiterbildet? Bei Unterschied & Macher nimmt das jeder Mitarbeiter mit einem eigens eingestellten Budget selbst in die Hand. Insights werden im Team im Nachgang natürlich geteilt, damit alle davon profitieren können.

 

Wir, Lara und Anna, haben uns dieses Jahr entschieden, unser Budget für die Agile Lean Ireland zu investieren. Diese wird unter anderem von Techbeacon als eine der besten Konferenzen für Agile Development bezeichnet - genug Anlass für uns, die zweitägige Konferenz in Dublin zu besuchen.

Was ist die Agile Lean Ireland?

Die Agile Lean Ireland ging 2019 mit dem Motto „Rise" in ihr drittes Jahr. Mit rund 750 Teilnehmern ist sie die größte Community-getriebene Konferenz zum Themenkomplex in Irland und hat dieses Jahr einen bunten Mix auf die Bühne gezaubert. Schauplatz war Croke Park, das irische Nationalstadion, in dem zum Beispiel Matches in Gaelic Football und Hurling ausgetragen werden.

 

Angesprochen wird bei der Konferenz ein recht breites Publikum, die Themen reichen von Leadership, Scrum, Produktmanagement, Marketing, UX und Software Testing bis hin zu Agile HR und Projektmanagement. Über allen stand aber das Thema „Agile und Lean“ als Klammer.

 

Agile Arbeit und schlanke Produktentwicklung mit Frameworks wie Lean Startup sind für uns bei Unterschied & Macher Alltag. Aber Agilität hat viele Gesichter und jedes Kundenprojekt ist anders. Die #ALI2019 versprach dazu guten Input - und hat ihr Versprechen erfüllt. 

 

Wir haben aus den zwei Konferenztagen viel Inspiration mitgenommen und wollen diese natürlich nicht vorenthalten. Nachfolgend teilen wir deshalb mit euch einige unserer Lieblingszitate aus den Talks und verlinken - wenn vorhanden - auf die Twitter-Profile der Speaker.

Unterschied & Macher | Lara und Anna auf der Agile Lean Ireland 2019 in Croke Park, Dublin
Die Location der Agile Lean Ireland: Das Stadion Croke Park in Dublin.

"Für eine erfolgreiche Transformation ist verlernen genauso wichtig wie Lernen“

Barry O’Reilly, Autor von „Unlearn“ eröffnete die Konferenz mit seinen Learnings rund um Digitale Transformation. Sein Statement: wir dürfen nicht vergessen, dass Menschen bewusst Dinge loslassen und verlernen müssen, wenn man als Organisation neue Wege beschreitet. Wer außer Acht lässt, dass verlernen genau so viel Energie kostet wie lernen, kann sich nicht erfolgreich verändern.

„Sprecht mehr miteinander!“

Eine Aussage, die sich durch viele Talks zog. Emily Tate, General Manager bei Mind the Product, machte es am Zusammenspiel Produkt und Entwicklung deutlich. Und zeigte auf, welche zentrale Rolle der Product Owner in Teams spielt.

Ihr Input: sprecht miteinander und sprecht vor allem mit eurem Product Owner! Gut funktionierende Teams sind sich bewusst, was für eine Beschleunigung das in der täglichen Arbeit und dem Ausliefern von Features bedeuten kann.

"Sobald eine Person remote ist, sind alle remote!"

Tim Herbig inspirierte uns mit seinem Input zu ortsunabhängigem Arbeiten. Bei Unterschied & Macher pflegen wir eine flexible Arbeitskultur, Homeoffice und kurze Kommunikationswege sind für uns selbstverständlich. Aber irgendwas kann man immer besser machen. Ein Daily muss z.B. nicht immer morgens stattfinden, wenn eine Person auf einem anderen Kontinent arbeitet. Und unsere Design Thinking und Ideation Workshops mit Kunden können wir durch passende Tools noch besser machen.

„Test. Your. Code.“

Wer seinen Code nicht testet, schafft sich häufig Probleme für später. So steht Testing häufig am Ende von Projekten oder Iterationen und fällt das ein oder andere Mal dem "engen Zeitplan" zum Opfer. Deswegen ist es besonders wichtig, Testing kontinuierlich in jeder Iteration zu berücksichtigen. Ein spannender Ansatz  um das zu implementieren, laut Fran O'Hara: "Test Driven Development" (TDD). In drei Phasen wird dabei erst der Test für eine neue Funktionalität, den Ausbau einer bestehenden Funktion oder für einen Bug-Fix geschrieben (Test läuft rot). Danach wird der Code so angepasst, dass der Test grün läuft. Abschließend wird der Code refactored.

Und wo wir schon dabei sind: wie wäre es dann mal mit automatisierten Tests? Dann könnte im Schlaf (also über Nacht) getestet werden.

„Die Hälfte der Zeit liegt der Produktmanager falsch. Redet mit euren Kunden, anstatt am Markt vorbei zu entwickeln.“

Mary Poppendieck, Autorin von mehreren Büchern über schlanke Softwareentwicklung (z.B. „The Lean Mindset: Ask the right questions“) eröffnete Tag zwei mit ihrem Input zu den „Big Eight Frictions“. Ihre Beobachtung: es gibt acht große Felder, die in der Software-Entwicklung Energie rauben. Das oben genannte Zitat fällt unter das Feld „Wunschdenken“. Also anstatt sich zu wünschen, dass der Kunde dies und jenes gerne hätte sollte man es einfach rausfinden, indem man mit dem Kunden oft und viel testet.

"Metriken sind dein Freund - auch in Kanban Projekten."

Metriken müssen nicht immer gleich in einer komplexen Excel Tabelle errechnet werden. Jose Casal stellte uns drei Metriken vor für den Einsatz in Kanban Projekten vor, die einfach zu erheben sind und einen guten Indikator darüber geben, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um effizienter in seinem Projekt zu werden: Elapsed Time, Work in Progress und Throughput.

Spannend dabei, seine Hands On Empfehlungen für die Optimierungen, wie z.B. das Experimentieren mit einem geringeren Work in Progress oder der Einführung von Bereit-für-Entwicklung-Kriterien am Board.

„Kanban Boards können und dürfen viel Platz einnehmen - wenn sie zum Ziel des Teams passen“

Kanban Boards sind eine Wissenschaft für sich. Nutzt man sie digital oder analog? Welche Spalten gibt es? Welche Regeln für Tickets muss man einführen? Gary Fleming, Agile Coach bei Emphasis Parenthesis, zeigte auf, wie viele Varianten von Kanban Boards und deren Spalten es geben kann.

Unser Favorit: die Spalte „Ready to Celebrate“ für Tickets, die an den Kunden geshippt sind und nun nur noch auf den Livegang auf Produktion warten.

„Agilität ist etwas Organisches und kann nicht losgelöst von Kultur betrachtet werden.“

Geoff Watts schloss die Konferenz ab mit seinem Talk „The Culture that lives". Er legte dabei den Fokus darauf, dass man sich Zeit nimmt, den Status Quo zu betrachten und zu verstehen - sei es, der Grad an gelebter Agilität oder die Formen von Leadership, die angewendet werden. Erst dann kann man Schritt für Schritt die Transformation einleiten.


Unser Fazit zur Konferenz & selbstorganisierter Weiterbildung.

Nach zwei Tagen war unser Kopf voll mit Inspiration dazu was passiert, wenn Agilität auf Realität trifft und wie man für sich einen passenden Weg findet. Die oben genannten Talks waren für uns dabei besonders spannend, bilden aber nur einen Bruchteil dessen ab, was wir an Input mitgenommen haben. Wer selbst in der agilen Entwicklung arbeitet, ist auf der Agile Lean Ireland definitiv gut aufgehoben.

 

Sie hat ihren guten Ruf definitiv zu Recht. Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch blieben hier keine Wünsche offen. Übrigens ist auf der Konferenz-Review Seite auch ein Großteil der Slides zu den Sessions auf der Seite verfügbar.

Unterschied & Macher | Lara und Anna vor Ort auf der Agile Lean Ireland

Spannend war für uns auch in der Selbstreflexion: dadurch, dass wir unsere Weiterbildung selbst in die Hand genommen haben, haben wir uns viele Gedanken gemacht, was wir wirklich im Alltag brauchen und was wir lernen wollen.

 

So kam natürlich in erster Linie die Auswahl des Events zustande. Das führte aber auch dazu, dass wir die Konferenz sorgfältig vorbereitet haben und die zwei Tage für unser Interesse optimal nutzen konnten.

 

So waren wir zwar zu zweit auf der Konferenz, haben uns aber meistens aufgeteilt. Während Anna sich von den Talks zu Produktmanagement und Marketing besonders angesprochen fühlte, blühte Laras Herz bei den Sessions zu Testing und Kanban Boards auf.

 

Die Insights haben wir in der Pause geteilt, einen Tee getrunken und sind dann wieder in unterschiedliche Richtungen abgezogen. Das hatte einen zweiten positiven Effekt: Da wir in jeder Pause die Quintessenz der Sessions der jeweils anderen Person berichtet und über die Inhalte diskutieren haben, haben wir für uns selbst besser den Inhalt reflektiert.

 

Das trug auch dazu bei, dass wir später unser Konferenzwissen im ganzen Team teilen  und erste Ansätze in unser tägliches Arbeiten übernehmen konnten - z.B. dass wir unsere remote Arbeitskultur überdenken. 

 

Wer eine Kultur des stetiges Lernens einführen möchte, sollte sich definitiv Gedanken über persönliche und selbstverantwortliche Weiterbildungsbudgets machen. Für uns waren sie ein toller Anreiz, um uns tiefer mit der persönlichen beruflichen Entwicklung auseinanderzusetzen.


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